Im Rahmen einer kleinen Feier wurden am 29. Juni 2021 gleich vier langjährige Kolleg*innen der BBAfEP verabschiedet. Natürlich durften zu diesem Anlass weder Benno Meliss noch seine eigens dafür verfasste Rede fehlen. Diese niemandem vorzuenthalten, ist sie hier veröffentlicht:

Christiane, Regina, Angelika, Peter

  • Präambel – kommt von lat. prae-ambulare, also vorausgehen, mehr sage ich dazu nicht, und wir kommen schon zum

 

  • Vorwort

Da noch sehr viele Worte folgen werden, nehme ich an, dass niemand ungehalten sein wird, wenn das Vorwort diesmal entfällt. Für das Nachwort kann ich jedoch das gleiche Versprechen nicht abgeben.

  • Faktencheck

In einer Zeit des Unwesens alternativer Fakten und fakes ist es mir ein Anlie-gen, eingangs klipp und klar die Tatsachen offenzulegen, mit denen – und nur(!) mit denen – sich meine Rede in den kommenden 139 Minuten befassen wird.

Fakt 1: Christiane Dietrich verschwindet sang- und klanglos – für eine Musikerin  ein eher bemerkenswerter Tatbestand.

Fakt 2: Regina Rüscher erlebt eine Apotheose – und wiederum zeigt sich eine Paradoxie: sie vollzieht eine Apotheose nach oben und zugleich nach unten: wohl steigt sie auf zur Direktorin, allerdings unten an der BAfEP Kettenbrücke.

Fakt 3: Angelika Leiter erklimmt die letzte Sprosse derselben und lässt den Hort hinter sich, um den Zustand der definitiven Rastlosigkeit, im Volksmund auch Pension genannt, zu erreichen.

Fakt 4: Der letzte Fall vollzieht sich – wie es sich im Bereich der Naturwissen-schaften gehört – ohne Paradoxa und mit klarer Reliabilität. Peter Flöry tritt vom aktiven Aggregatzustand in den hyperaktiven über. Basta.

Damit hätten wir die zu behandelnden Tatsachen aufgezählt, definiert und eingekreist und können uns den Themenfeldern im Einzelnen widmen.

1.1 – Der Fall Christiane Dietrich und seine Bedeutung für die musikalische Früh-, Fort-, Weiter- und Persönlichkeitsbildung im Allgemeinen sowie im Besonderen in Relation zur tirolisch-vorarlbergischen Verständigungsprob-lematik. Bei näherer Betrachtung erhellt nämlich, dass die Bezeichnung der (Musik-)Noten stupende Ähnlichkeit sowohl zur Tiroler als auch zur alle-mannischen Sprache aufweist. Man nehme etwa die Aufforderung, jemand möge seine Gehwerkzeuge auf den Boden stellen: Ge dur amol de Fis abe, ha?

Abgsehen davon, dass die Umsetzung in Musik womöglich abenteuerlich klingen möge, kommt hier jedoch glasklar die angeborene Musikalität der Alpenbewohner westlich und östlich des Arlbergs zum Ausdruck.

1.2 – Bei Christiane ist dadurch die Berufswahl gegeben. Ein zweites konstitu- ierendes Faktum ist ihre herkunftsmäßige Nähe zum Wasser, nämlich zum Bodensee. Kurz gesagt, sie ist eine leidenschaftliche Schwimmerin. Als sie noch zur Schule ging, kam es nicht nur einmal vor, dass sie bei morgendli-chem Verkehrststau auf der Uferstraße das Fahrrad stehenließ, sich in den See warf und die Schule schwimmend rechtzeitig erreichte (sie trug des-halb anstelle von Unterwäsche stets einen Badeanzug). Dass die Seenarmut Innsbrucks sie in schwere innere Konflikte stieß, versteht sich. Aus Protest und Trotz heiratete sie deshalb nach Telfs, teils wegen Mann, teils wegen Möserer See.

1.3 – Die BAfEP Haspingerstraße ist als musikalisches Kleinod bekannt, was hier nicht extra betont werden muss, und zu verdanken ist das zu einem Groß-teil Christiane Dietrich, im Folgenden kurz Christiane genannt. Mir selbst war es hin und wieder vergönnt, in ihren Unterricht zu lauschen, wenn mir der eigene nicht mehr gefiel, und ich erlebte eine dichte Atmosphäre aus Konzentration, Strenge, Wohlwollen und Konsequenz, und die Ergebnisse ließen sich hören.

1.4 – Das alles wäre schon ausreichend, um einen moralisch tadellosen Ta-gesablauf zu gewährleisten. Dass sich Christiane dann auch noch mit Ak-kerbau, Bienenzucht und Kleingewerbe wie Töpferei und Filzen herum-schlägt, ist ihr Problem. Da ich seit wenigen Wochen nicht mehr an der BA-fEP unterrichte, weiß ich nicht, was inzwischen noch alles dazugekommen ist, bin mir jedoch ziemlich sicher, es ist eine Menge. Hab ich das Haus in Stadl schon erwähnt? Na eben.

2.1 – Dir. Werner Auer befand im Jahr 19murmelmurmel, dass der BBA Haspingerstraße ein elementarer Bestandteil mangle, nämlich ein Hort, und er streckte seine menschenkundigen Fühler in Richtung Lienz aus und ward fündig, und schon wird ein Teil des ÜKG Zollerstr. zum Hort ausgebaut und aus Leiter eine Leiterin, und das zu Zeiten, als das Gendern weder gang noch gäbe war.

Also, direkt aus Lienz hat er sie nicht geholt, sie war damals schon in Inns-bruck. Dass der neue Hort in unmittelbarer Nachbarschaft der legendären Waltraud Steiner angesiedelt war, musste ein Umfeld höchster Kreativität erzeugen, wenngleich Angelika bei ihrer eigenwilligen und geradlinigen Persönlichkeit keine Vorbilder nötig hatte. Wobei wir schon bei

2.2 – wären: dass Tiroler stur sind, wird behauptet, OsttirolerInnen mög-licherweise noch mehr, ich weiß es nicht, was ich sehr wohl weiß, ist, dass Angelika sehr konsequent ist und sich niemals verstellt, dabei lässt sich wohl mancher von ihrem manchmal scharfen Tonfall irritieren, denn im Wesen ist sie sehr geduldig und verständnisvoll, sagen zumindest die Kin-der und ihre Kolleginnen (an dieser Stelle bedanke ich mich bei Karin Weiß, die mich mit Geheiminformationen versorgt hat).

2.3 – Ein Album von Pink Floyd heißt The Dark Side Of The Moon, wofür An-gelika natürlich nichts kann, aber: wie der Mond hat auch sie eher weniger bekannte Seiten, was auch für manche Leute besser ist, denn wüssten sie alles, was Angelika kann und tut, würden sie teils vor Bewunderung zu Bo-den gehen, teils vor Scham im selben versinken und nie wieder auftauchen.

Beispielsweise ist sie in der Lage, in dunkelster Herrgottsfruah eine Schitour anzuzetteln und diese so zeitgerecht zu beenden, dass sie zu Mittag bereits im Hort erscheint: frisch gelüftet, geduscht und geschniegelt, wobei man darunter ja nur kein modisches Geschminke und Styling verstehen darf, denn Angelika hat vieles, eines aber besonders: Geschmack. Ihre Altbau-wohnung in der Stafflerstr. ist das Innsbrucker Mekka für Innenarchitekten, ich weiß aber nicht, ob die nur wegen der Einrichtung kommen oder auch gleich zum Essen bleiben, denn selbstverständlich ist Frau Leiter-Röhrich nicht nur in „Schöner Wohnen“ regelmäßig angeführt, sondern ebenso im Guide Michelin und Ähnlichem, denn ihre Kochkünste sind – muss ich es eigentlich erwähnen? – ihren anderen ebenbürtig (ich hoffe hier ein kleines Zaunpfählchen geschwungen zu haben). Dass selten bis nie ein Handwerker ihr Appartement betritt ist klar, da Angelika alles selber und besser macht.

Das war für die Schule ein unbezahlbarer Gewinn, als es hieß, der Hort müsse ins Leuthaus übersiedeln: Angelika warf alle Baufirmen hinaus und übernahm die Angelegenheit. Dass sie nebenher auch noch das Stift Wilten renovierte, wird gesagt, ich kann’s aber nicht beweisen. Das Gleiche spielte sich noch einmal bei der nächsten Übersiedlung ins Haus des Kindes ab, nur wurde nebenher von ihr nicht das Stift, sondern die Basilika in Schuss ge-bracht. Ich kann nichts dafür, dass dies nur ein kurzer Auszug aus 60 Jahren Angelika war, aber mehr Zeit haben wir nicht..

3.1 – Die Science Busters sind allen ein Begriff, an der BAfEP existiert etwas Ähnliches, nämlich ein Science Cluster. Dieser wird allerdings durch eine einzige Person verkörpert, die folgende Wissenschaftsgebiete in sich vereinigt: Biologie, Physik, Chemie, Astronomie, Typografie, Science Fiction, Informatik und Reproduktionstechniken. Von wem die Rede ist, brauche ich wohl nicht auszuführen, tu es aber trotzdem, falls Unbeteiligte zuhören: es handelt sich natürlich um Peter Flöry, vielfachen Master of Sciences. Der Plural muss hier unbedingt her.

Besonders aber blüht Peter auf, wenn man an seine Lieblingsgebiete anstreift, nämlich Astrologie, Esoterik und Kreationismus. Wenn er z.B. hört, dass Jupiter im 5.Haus steht und gleichzeitig in Opposition zum Orion, dann weiß er: es ist Zeit, einen rechtsdrehenden Wassertropfen in 5 milli-onenfacher Verdünnung auf einem Amethysten anzusetzen, auf dass er seine kräftigende Wirkung entfalte. Und unlängst konnte ich ihn beobach-ten, wie er mit einer Wünschelrute einen Esoteriker verwünschte.

Doch kommen wir zurück zu den Fakten. Wer den NatWi Raum im 2. Stock be-tritt, erblickt über dem Periodensystem ein Zitat von Ludwig Wittgenstein: „Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“, wohl eine Mahnung an so manche, sich nicht in verführerisches Geschwurble zu verkriechen, son-dern eine gewisse Klarheit im Denken und in den Begriffen zu pflegen.

3.2 – Die meisten werden die eine oder andere Vorführung mit Heißluftballons oder Druckluftraketen im Schulhof bestaunt haben oder im ÜKG Experimente zu Licht und Farbe und vielem mehr. Niemand jedoch war Zeuge, wie er zu nächtlicher Stunde im Chemiekammerl aus unedlen Metallen mit Hilfe des Her-mes Trismegistos Gold herstellte. Der Grund dürfte darin liegen, dass er von der Alchimie ähnlich viel hält wie vom 5. Haus des Saturn.

Wahr hingegen ist vielmehr, dass er sich stets als äußerst hilfsbereiter Kollege erweist, wo immer Not an Mann, Frau, Kind oder sonst wem ist, und die Hilfe durchwegs von sich aus anbietet, bevor man (frau) überhaupt eine Bitte zu äußern ansetzt.

3.3 – Dass auch er aus Vorarlberg stammt, mag in Anbetracht seines aufrech-ten, unbestechlichen und sachlich ausgerichteten Charakters niemanden ver-wundern. Weh den SchülerInnen, die sich anmaßten, mit verschwommenen – oder noch schlimmer – mit gar keinen Argumenten Diskussionen betreffs Leistungsbeurteilung heraufzubeschwören: eher hätte Odysseus‘ Schiff den Magnetfelsen versenkt. – Nichts mit der griechischen Sagenwelt haben seine sagenhaften EDV-Kenntnisse zu tun, denn er war es, der noch unter Dir. Auer die gesamte Informatikausstattung der Haspingerstr. in Angriff nahm und jahr-zehntelang betreute, was ihn selbstverständlich prägte: so bestellte er bei einem KollegInnenessen eine Festplatte für zwei Personen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich jetzt nicht wieder in die antike Sagenwelt abgeglitten bin.

3.4 – Soviel zu einigen allgemein bekannten Seiten des Peter Flöry. Wer sich dem beschaulichen Ort Hatting nähert und vielleicht sogar in dessen Kern vor-dringt, könnte möglicherweise zu einem Bauwerk gelangen, in dessen Innerem sich der weniger bekannte Peter betätigt, sagen wir es rundheraus: er betreibt eine Druckerwerkstatt und ein Fotoatelier, und alles hat er mehr oderweniger eigenhändig erbaut. Was er dort erzeugt? Es wird nichts verraten, im Oktober erfahrt ihr mehr, außer, er selbst sagt’s euch jetzt schon. Vielleicht aber auch nicht. Denn Peter kann durchaus auch schweigen.

Nachwort – Ich habe es angedroht, und hier ist es auch. Allen vier lieben Kolle-gInnen wünschen wir ein erlebnisreiches Sabbatical, einen ebensolchen Unru-hestand bzw. eine erfolgreiche Arbeit als Schulleiterin, möge sie, aber auch wir alle vom Lockdown und Homeschooling verschont bleiben. Amen.

Benno Meliss 2021